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Palliativ-Verein Halle S. e.V.

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Erfahrungsberichte

19.04.2017

Erfahrung der Familie Stein

Fam.Stein

Palliativ - Was bedeutet das eigentlich?

Text: Stefanie Stein, Bild: Familienausflug Dezember 2015  (5 Monate vor Diagnose)

Diese Frage stellte sich der eine oder andere sicher auch bevor er auf dieser Website landet. Für unsere Familie stellte sie sich im Februar 2017.

Palliativ -Adjektiv, Bedeutung: schmerzlindernd, die Beschwerden einer Krankheit lindernd, aber nicht (mehr) die Ursachen einer Krankheit bekämpfend. (Duden)

Aber vorher ein paar Sätze zu uns und warum wir uns diese Frage stellen mussten. Wir waren eine ganz normale Familie aus dem Saalekreis. Meine Mutter arbeitete in der ambulanten Pflege, mein Vater war selbständig, liebte die Musik und seine Band und ich waren gerade erst wieder in die Heimat gezogen. Unser Leben war schön…

Doch dann kam Pfingsten 2016 und plötzlich war alles anders. Meine Mutter brachte meinen Vater ins Krankenhaus. Er hatte sehr starke Kopfschmerzen, Sehstörungen und hohen Blutdruck. Eigentlich erstmal nichts Dramatisches, aber er sollte über Nacht zur Beobachtung dort bleiben. Am nächsten Tag wurde ein CT von seinem Kopf gemacht. Daraufhin wurde er sofort in die Uniklinik verlegt. Die Diagnose: Raumforderung im Kopf -Hirntumor - Glioblastom! Es folgten Operationen, Bestrahlungen, Chemotherapie, Optune (elektrische Wechselfelder). Die ersten Monate ging es meinem Vater sehr gut. Wir waren voller Zuversicht dieses Biest in seinem Kopf bekämpfen zu können. Gemeinsam würden wir das schaffen…

Dann ging es meinem Vater langsam schlechter. Das Laufen fiel ihm schwer. Er hatte Probleme mit der Orientierung. Im September entschieden meine Mutter und ich, dass wir uns jetzt ausschließlich um meinen Vater kümmern, ihn unterstützen, ihn pflegen, ihn verwöhnen und weiter mit ihm kämpfen. Doch das Biest in seinem Kopf war stärker. Es kam der Februar 2017 und wir mussten schmerzlich einsehen, dass wir unseren Kampf nicht gewinnen werden. Plötzlich ist da ein Gefühl der Ohnmacht, der Verzweiflung, der immer wiederkehrenden Frage „Haben wir wirklich alles versucht?“.

Meine Mutter und ich wollten alles tun, um meinen Vater bei uns zuhause zu haben - auch wenn das bedeutete, dass wir 24h am Tag nur für ihn da waren. Das war der Moment, wo wir mit dem Palliativ-Verein Halle in Kontakt traten. Schon am nächsten Tag kam uns Frau Thyrolf besuchen und erklärte uns ausführlich, wie ihr Verein uns unterstützen könnte. Wenig später kam Herr Lieb fast jede Woche für ein paar Stunden vorbei und verbrachte Zeit mit meinem Vater -gute Gespräche, alte Fotos anschauen und sogar ein gemeinsamer Freund wurde mitgebracht. Meine Mutter und ich nutzten diese Zeit für Erledigungen oder einfach einen gemeinsamen Spaziergang um Kraft zu tanken.

Plötzlich waren da Menschen, die genau wussten wie wir uns fühlten, die uns zuhörten und die meiner Mutter und mir für ein paar Stunden in der Woche eine Auszeit ermöglichten.

Mein Vater verlor Ende März 2017 den Kampf gegen das Biest in seinem Kopf. Wir sind unendlich traurig und vermissen ihn sehr, aber es tröstet uns ein wenig, dass wir ihm seine letzten Wochen zuhause so schön wie möglich machen konnten -auch durch die Unterstützung des Palliativvereins.


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