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Palliativ-Verein Halle S. e.V.

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Andre´s Wunsch vom Fliegen

Halle. Es kann passieren, dass sich Dinge kreuzen, die kontrastreicher nicht sein können – unterm Strich aber letztlich doch ein Ganzes bilden. Bei Leben und Tod ist das so.

Menschen, die ihrem Lebensende entgegensehen und jene, die Sterbende begleiten, (er)leben und begreifen als Einheit, was ein gesellschaftliches Tabu ist. Die Mitglieder des Palliativ-Vereins-Halle S.e.V.  sind Begleiter im Sterben. Und haben am Wochenende zum dritten Mal als Kontrast zur Trauer die Freude gestellt – die Freude am Sport (lebendiger geht’s kaum). Beim Volleyball-Benefizturnier in der (dafür mietfreien) Turnhalle des Elisabeth-Gymnasiums standen dem Ehrgeiz auf den Spielfeldern und der Freude über Siege Botschaften gegenüber, die vom Loslassen als besondere Fähigkeit, das Leben zu meistern, erzählten.

Herr Stephan Lieb, Mitglied des Palliativ-Vereins-Halle S.e.V. kam vor drei Jahren auf die Idee, ein Turnier auf die Beine zu stellen, bei dem Spenden gesammelt werden sollten, mit denen Lebenswünsche in Erfüllung gehen sollen. André aus Halle will noch einmal fliegen. Der 35-Jährige hat dafür nicht mehr viel Zeit. Er leidet an einer schweren Form der Chorea Huntington, eine erbliche Erkrankung des Gehirns. Seine Lebenserwartung ist begrenzt. Herr Lieb begleitet den jungen Mann. „Wir haben es mit den ersten Benefizturnieren und der Unterstützung vieler Helfer geschafft, einen Rundflug für André zu organisieren. Damit erfüllen wir ihm einen Lebenstraum.“

Die Spenden geben die Mannschaften des Turnieres. Sie bekommen dafür einen sorgenfreien Sportnachmittag. Dieses Mal mit Musik von den Bands „Spots“ und Yin’n Youngs“, blecheweise Kuchen aus den Küchen der Vereinsdamen. Neun Mannschaften traten zur dritten Auflage gegeneinander an. Bei der Siegerehrung wurde die Wirkung solcher Benefizveranstaltungen einmal mehr begreiflich. Anja Walczak – baggerte in der Sportgemeinschaft Kurt Wabbel – bedankte sich nicht nur für den vierten Platz. Die Hallenserin hat neun Hirntumore überlebt, darüber ein Mutmach-Buch geschrieben und kehrte zurück in den Lebensalltag. Heute spielt sie wieder Volleyball. „Das habe ich nur meinen Volleyballfreunden zu verdanken, die mich angetrieben haben, dieses Ziel zu erreichen. Und Menschen wie euch, die heute hier sind und symbolisieren, wie wichtig es ist zusammen zu stehen.“

Dass der Titelverteidiger vom Ballett e.V. den Wanderpokal dieses Jahr an das Team Reikey übergeben musste, war die (sportliche) Randnotiz eines Nachmittages, der dem Palliativ-Verein finanziell auch bei der Arbeit seiner ehrenamtlichen Helfer unterstützt. „Wir haben den Anspruch, die Begleiter mit einem hohen Wissen und Sicherheit auszustatten. Dafür reicht die Grundausbildung meist nicht. Durch eure Hilfe können wir uns auch mal einen Referenten leisten, der auch unsere Horizonte weitet“, bedankte sich der Palliativ-Verein-Halle S.e.V. bei den Sportlern, als Koordinatorin für die Ausbildungen im Verein zuständig.

Die werden auch 2018 wieder kommen und um einen Pokal wetteifern.